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Die nachfolgende Geschichte habe ich im Net gefunden, will mich ja nicht mit fremden Federn schmücken! Teil 1 "Was soll das heißen, ich krieg' die Beförderung nicht?" schnappte Helena entsetzt nach Luft. Verblüfft starrte sie die Überbringerin der schlechten Nachricht an... es war die altgediente Sekretärin vom Boß - und nur kurz streifte sie der Gedanke, daß der werte Herr nicht einmal Mut genug besessen hatte, um ihr den tödlichen Hieb selbst zu versetzen. Nein, er hatte die alte Gloria vorgeschickt... ausgerechnet, dieses Klatschmaul - und nun würde es bald die ganze Firma wissen, daß sich ihre Träume innerhalb weniger Sekunden einfach in Luft aufgelöst hatten. Vor Helenas Augen explodierten gelbe Blitze. Sie knirschte mit den Zähnen, so sehr rang sie um Beherrschung. Das konnte der alte Weber doch nicht bringen! Seit Jahren holte sie tagtäglich die Kohlen für die Firma aus dem Feuer... hatte ihr ganzes Leben im Dienste der Arbeit gestellt... und nun das. Nein - mit ihr konnte man das nicht machen! Die Sekretärin duckte sich unter dem lodernden Blick der jungen Frau - eine der Weihnachtskugeln, mit denen sie gerade das kleine Tannenbäumchen auf dem Schreibtisch schmücken wollte, entfiel ihren Händen - aber ein hämisches Grinsen konnte sie sich nicht verkneifen. "Woher soll ich das wissen, Frau Wittke?" höhnte sie. "Reden Sie doch selber mit dem Boß darüber!" "Das werde ich auch machen!" fauchte Helena und reckte das Kinn in die Höhe. "Gleich jetzt wird ich das machen!" zischte sie aufgebracht. Die alte Gloria wurde plötzlich blaß. "Jetzt? Aber das geht doch nicht... Sie haben keinen Termin! Herr Weber ist nicht..." Doch sie sprach ins Leere. Sie stand schon alleine im Vorzimmer - und Helena war bereits ins Allerheiligste gestürmt. Manfred Weber, seit über vierzig Jahren Chef der Weber-Werke, die sein eigener Vater kurz nach dem Krieg gegründet hatte, schaute irritiert von dem Schriftstück auf, das er gerade unterschreiben wollte, als er so plötzlich und ohne Vorwarnung gestört wurde. Vor ihm stand eine vor Wut bebende Helena Wittke... in einem Zustand, in dem er sie noch nie gesehen hatte, seit sie in seine Firma eingetreten war... und schon legte die junge Frau los. "Herr Weber!" schnaubte sie. "Was soll das heißen, daß ich die Stelle der stellvertretenden Geschäftsführerin nicht bekommen habe? Sie wissen genau, daß ich seit Jahren auf diesen Platz hingearbeitet habe... unter Einsatz meiner vollen Kräfte... und mehrmals haben Sie mir diesen Posten in Aussicht gestellt! Wieso jetzt der Rückzieher? Finden Sie wirklich, daß das fair ist?" Der alte Weber schnappte nach Luft, als er sich so plötzlich aus heiterem Himmel angegriffen fühlte... er warf einen irritierten Blick an dem aufgebrachten Racheengel vorbei... aber als er etwas sagen wollte, ließ sie ihn gar nicht zu Wort kommen. "Ich würde Ihnen jetzt gern mit richtig deftigen Worten sagen, was ich von solchen Methoden halte, mit denen Sie arbeiten, Herr Weber! Von Ihnen, und von Ihren falschen Versprechungen über Beförderungen und einer Teilhaberschaft!" knirschte die junge Frau. "Aber das sind Sie mir gar nicht wert! Ich fühle mich so enttäuscht von Ihnen, wie ich das nie für möglich gehalten hätte! Nur damit Sie es wissen - in Zukunft können Sie ganz auf meine Mitarbeit verzichten! Ich kündige nämlich - fristlos!" So... das hatte sie ihm jetzt prächtig unter die Nase geknallt! "Das können Sie nicht machen, Frau Wittke! Nicht so kurz vor Weihnachten... wir..." Helenas bebendes Kinn hob sich noch um ein paar Zentimeter, dann wirbelte sie um die eigene Achse und machte sich daran, ebenso schnell wieder aus dem Allerheiligsten zu stürmen - als sie mitten in der Bewegung stockte. Der alte Weber war nicht alleine gewesen... deshalb hatte Gloria sie nicht vorlassen wollen. Ihr funkelnder Blick glitt über die Gestalt des Besuchers, der kühl und reglos im Schatten der von ihr aufgestoßenen Tür stand. Der typische Geschäftsmann... elegant, kühl... und auf sehr attraktive Art arrogant wirkend. Reglos musterte er sie... von oben bis unten, wie ihr schien... und dann hatte sie sich wieder gefangen. Weil sie gerade so in Fahrt war, schoß sie noch einen wütenden Blick in seine hellen, klaren Augen - und dann stürzte sie hinaus. Leise schloß der Besucher die Tür hinter ihr, dann wandte er sich mit einem schmalen Lächeln an Weber. "War sie das?" "Ja... die stolze Helena, wie sie leibt und lebt!" Weber schnaufte durch die Nase. "Sie ist verdammt wütend, weil sie die Stelle nicht bekommen hat - sie hätte ihr wirklich zugestanden! Ich hab ihr die Position meiner Stellvertreterin wirklich wie einen Köder vor die Nase gehalten, wenn sie mir den einen oder anderen Auftrag besorgen sollte..." "Das mag sein!" Ungeniert lümmelte sich der Besucher in einem der bequemen Ledersessel und zündete sich dann eine Zigarette an. "Aber was sie verdient und was nicht, ist in Zukunft meine Entscheidung. Die Firma gehört nun mir... und ich kann mit dem Personal machen, was ich will!" "Sicher... die Weber-Werke sind in Ihren Besitz über gegangen, Stocker!" mokierte sich der alte Boß. "Aber das heißt noch lange nicht, daß mein Personal in ihre Leibeigenschaft verkauft worden ist!" Er nickte Richtung Tür. "Die Wittke ist eine der besten, die sie in unserer Branche bekommen können... es ist nicht gut, sie einfach gehen zu lassen - auch wenn sie ein höllisches Temperament hat! Die Hälfte aller Aufträge hatten wir alleine ihrem Können - und ihrem Engagement zu verdanken! Die Kunden mögen sie..." "Lassen Sie die Wittke nur mal meine Sorge sein!" knurrte der neue Eigentümer der We-We. "Ich werde schon dafür sorgen, daß sie die Kündigung zurückzieht..." Ein unheilvoller Funke klomm in den eisklaren Augen auf. "Wieso nennen Sie sie eigentlich die "stolze Helena?" Weber stieß ein meckerndes Lachen aus. "Nun... weil diesen Leckerbissen von Frau ein Panzer umgibt, der so dick ist, wie die Eiskappen am Südpol. Ich habe oft beobachtet, wie sie angemacht wurde... immer und immer wieder - von Mitarbeitern, Kunden, Konkurrenten und völlig Fremden auf den Messen und Präsentationen... keine Chance. Je mehr sie um sie herum scharwenzelten, desto kühler und abweisender wurde sie. Ich glaube, sie mag keine Männer..." Eine kleine Pause, er dachte nach. "Sie ist die typische moderne Karrierefrau. Müßte ich sie charakterisieren, würde ich sagen, sie ist selbstbewußt, steht mit beiden Beinen fest im Leben - und verläßt sich auf niemand, außer sich selbst. Für ihre dreißig Jahre ist sie auch ganz schön arrogant. Das höllische Temperament haben Sie gerade live miterlebt. Und was die Männer angeht... Nun - sie hat jeden auflaufen lassen und wurde immer sarkastischer dabei. Ich habe kein einziges Mal erlebt, daß sie zu einem ihrer Verehrer entgegenkommend war..." "Sie selbst auch?" wurde er beiläufig gefragt. Der Alte verzog den Mund. "Nein... absichtlich nicht - so kam ich nie in die Position, mir eine Abfuhr einzuhandeln... Sie verstehen? Das wäre schlecht fürs Geschäft und für die Zusammenarbeit gewesen..." Stockers Mundwinkel zuckten spöttisch. "Eine weise Entscheidung... und jetzt lassen Sie uns konkret werden!" Er setzte sich auf und drückte die Zigarette im Ascher aus. "Sorgen Sie dafür, daß die Wittke Freitag diese Woche um Punkt 20 Uhr hier in diesem Büro ist... wie, das ist mir egal! Den Rest werde dann ich übernehmen. Das wird Ihre letzte Handlung als Chef dieser Firma sein... haben wir uns verstanden?" Ja... Weber nickte... er hatte bereits angefangen, seinen Schreibtisch auszuräumen. Spätestens in zwei Tagen würde nichts mehr hier an die vergangenen vierzig Jahre erinnern... Nur kurz fragte er sich, was Stocker mit der Wittke vorhatte... das gewisse Lächeln des Mannes gefiel ihm nicht so recht. Aber dann sagte er sich, daß ihn das auch nichts mehr anginge. Helena wußte sich schon zu helfen... sein Nachfolger würde kein leichtes Spiel mit ihr haben. Die Tage vergingen... wie angekündigt, begann Helena damit, ihr Büro zu räumen. Weber hatte keinerlei Versuch unternommen, ihre Kündigung anzufechten, als sie diese in schriftlicher Form bei Gloria abgab... und dies bestätigte sie nur in ihrem Vorhaben. Sie war so in ihre eigenen Probleme verstrickt und mit ihrer Wut beschäftigt, daß ihr gar nicht auffiel, wie sich ihre Umgebung benahm. Die Stimmung war ungewohnt gedämpft - was gerade in der Vorweihnachtswoche sonst gerade das Gegenteil war. Sie bemerkte nicht, daß die alte Gloria verschwand, daß an ihrer Stelle eine neue Empfangssekretärin saß. Die bedrückten Gesichter der Mitarbeiter fielen ihr auch nicht auf... und so wurde sie auch nicht stutzig, als ihr ein ziemlich schweigsamer und bedrückter Bürobote eine kurze Notiz von Weber überbrachte, in der er sie für Freitag in sein Büro bestellte. Warum, stand nicht dabei. Grübelnd sah sie aus dem Fenster... starrte blind ins Weite. Dann zuckte sie die Schultern. Nun denn... wahrscheinlich wollte Weber ihr ihre Papiere und die Zeugnisse persönlich überreichen - das war das Mindeste, was sie nach über zehn Jahren in dieser Firma von ihm erwarten konnte! Der Freitag verging ätzend langsam für die junge Frau. Am nächsten Tag würde Heiligabend ein. Sie saß in ihrem nun sehr nackten Büro - es war bereits alles ausgeräumt und keinerlei persönliche Gegenstände befanden sich mehr darin - und drehte quasi Däumchen. Ließ sich von der dezent getunten Weihnachtsmusik betüdeln, die aus den versteckt angebrachten Boxen tönte... Gelangweilt lümmelte sie sich auf dem Drehstuhl... die langen, schlanken Beine undamenhaft auf dem Schreibtisch überschlagen... die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Und starrte auf den kleinen, künstlichen Weihnachtsbaum auf ihrem Schreibtisch. Seltsam. Auch sie fühlte nichts in sich, was auf Weihnachtsstimmung schließen ließ. Die anderen Mitarbeiter waren bereits lange nach Hause gegangen - Freitags machte man im Büro hier immer um vierzehn Uhr Schluß... und heute war ihr letzter Tag. Man hatte eine kleine Abschiedsfeier für sie gegeben... mit Sekt und Kuchen und einem kleinen Geschenk. Und heute war ihr zum ersten Mal die Stimmung in der Firma bewußt geworden. Man hatte von einer Übernahme durch einen Großindustriellen gemunkelt, der die We-We einfach geschluckt hatte und nun alle Fäden in der Hand hielt. Zwanzig Prozent der Mitarbeiter war gekündigt worden - ohne Vorwarnung. Der alten Gloria, dem Vorzimmerdrachen, heulte sie persönlich keine Träne nach - die war immer eifersüchtig gewesen und hatte ihr das Leben schwer gemacht, wo sie nur konnte... aber unter den Gekündigten waren ein paar ihrer Freunde gewesen. Ob das mit der neuen Geschäftsleitung stimmte? Ihre Gedanken stockten... ihr fiel der Fremde in Webers Büro ein, am Tag ihrer Kündigung. Seiner ganzen Ausstrahlung nach mochte das der neue Besitzer gewesen sein... Je länger sie darüber nachdachte, um so wahrscheinlicher kam ihr dies vor - und dann setzte sie sich ruckartig auf. Jetzt wußte sie auch, warum sie die Beförderung nicht erhalten hatte. Sie paßte anscheinend selber auch nicht in die Geschäftspolitik der neuen Firmenleitung hinein! Überhaupt - was war das für eine Geschäftsleitung, die es über sich brachte, den Angestellten eine Woche vor Weihnachten fristlos zu kündigen? Ein schneller Blick auf die Uhr... zehn vor Acht... es wurde Zeit, daß sie sich auf den Weg machte... Das Gebäude war menschenleer. Das Klicken ihrer dünnen Absätze hallte in dem langen Korridor wider, der zum Aufzug führte. Warum Weber sie wohl so spät noch sehen wollte? Es war doch eigentlich alles gesagt worden... Irgendwie fühlte sie sich unbehaglich. Weshalb, wußte sie nicht - aber sie hatte ein seltsames Gefühl banger Vorahnung. Sie fröstelte und schlang die Arme um sich, während sie auf den Lift wartete und betrat dann die Kabine. Zögernd drückte sie den Knopf für die oberste Etage - da, wo sich die Geschäftsleitung befand... in dem Stockwerk, in dem sie ihr zukünftiges Büro gesehen hatte... in ihren Zukunftsträumen, die allesamt so rosig gewesen waren! Im Spiegel, der die Kabine räumlich größer wirken ließ, kontrollierte sie noch einmal ihre Erscheinung. Zum Abschluß wollte sie nur den allerbesten Eindruck auf Weber machen. Aber das auf Figur geschnittene Kostüm saß perfekt - ebenso wie die Ziernähte ihrer Strümpfe. Das Leder der hochhackigen Pumps war makellos. Keine Locke ihrer langen, schwarzen Haare hatte sich selbständig gemacht... und das dezente Make-up ließ ihre braunen Augen nur noch sanfter und wirkungsvoller erscheinen. Nein... sie sah gut aus - und trotz ihrer geringen Größe von knapp Einssechzig sah sie sehr fraulich - und von Kopf bis Fuß nach Karrierefrau aus! Ihre Schritte waren sehr langsam, als sie sich dem Vorzimmer zum Allerheiligsten näherte. Die Tür stand offen. Ein zögerlicher Blick hinein... der Raum war nicht leer. "Hallo... ich werde erwartet!" sprach sie dann die neue Empfangsdame an - in einem schüchternen, leisen Ton, der ihrer forschen Art eigentlich so ganz und gar nicht entsprach. Die groß gewachsene, überschlanke Blondine wandte sich zu ihr um und schätzte sie mit einem kühlen Blick blitzschnell ab, dann nickte sie. "Helena Wittke?" "Ja..." Helena hatte sich wieder gefangen. "Ich habe für zwanzig Uhr einen Termin!" "Ist mir bekannt!" erwiderte die neue Sekretärin und näherte sich der Tür. "Kommen Sie herein!" Noch immer zögernd trat Helena einen weiteren Schritt in das Vorzimmer - und zuckte dann sichtlich zusammen, denn die Neue warf die Tür hinter ihr zu und drehte dann vernehmlich den Schlüssel im Schloß. "Was soll das?" schnappte sie nach Luft. Das kühle Lächeln wich der Blonden nicht aus dem Gesicht. "Machen Sie sich keine Hoffnung, Schätzchen!" höhnte sie. "Sie verlassen diesen Raum erst wieder, wenn wir mit Ihnen fertig sind!" "Wie... wie darf ich das verstehen?" Unwillkürlich fuhr ihre Hand an die Kehle, umfaßte sie. Das Herz schlug ihr wie wild in der Brust. Wohin war sie hier geraten? Es schien, als wäre die neue Chefsekretärin nicht ganz bei Verstand! "Das werden Sie noch früh genug verstehen!" kam der knappe Kommentar der Blonden, während sie mit großen, forschen Schritten um Helena herumging und jeden Zentimeter ihrer zierlichen Gestalt abschätzte. Dabei knirschte das schwarze Leder ihrer Hose leise... und Helena kam der Gedanke, was für eine seltsame Aufmachung das überhaupt für eine Vorzimmertipse war. Eigentlich sah sie eher wie eine Rockerbraut aus... oder wie eine Domina, denn sie hatte sich die hellblonden Haare straff aus dem Gesicht gebunden und die Augen extrem dick mit schwarzem Kajal umrandet. Selbst der rote Lippenstift war so dunkel, daß er fast schwarz wirkte. Der Gedanke hätte sie unter anderen Umständen ziemlich belustigt - gestand Helena sich ein. Aber dieser Situation fühlte sie sich nicht so recht gewachsen. "Ich glaube... ich glaube, ich sollte jetzt zu Herrn Weber gehen - er wartet sicher schon auf mich!" krächzte sie mit versagender Stimme. Ihr Gegenüber lachte freudlos. "Nein - Herr Weber ist nicht im Haus!" Ein weiterer, kühler Blick. "Aber Herr Stocker erwartet sie bereits... Sie sollten sich nicht noch mehr verspäten - das schätzt er nämlich ganz und gar nicht!" Helena zuckte zusammen. Stocker? War das der neue Firmenbesitzer? Was wollte der denn von ihr? Sie hatte doch mit dem alten Weber einen Termin gehabt... aber die Blonde ließ ihr keine Zeit für lange Überlegungen. Mit einem immer noch kalten Lächeln öffnete sie ihr die Tür ins Allerheiligste und winkte sie hinein. Als die junge Frau an ihr vorbeiging, wisperte sie: "Viel Glück beim Boß... Sie werden es brauchen, Schätzchen!" Und dann gab sie ihr einen Stoß in den Rücken, der sie mitten ins Büro hinein katapultierte und drückte geräuschlos die Tür hinter ihr zu. Fassunglos wirbelte Helena zu der Tür herum - starrte das matt polierte Holz an... war verwirrter denn je. Dann hörte sie hinter sich ein Räuspern. Langsam drehte sie sich um. "Schön, daß Sie sich endlich dazu herablassen, bei mir aufzutauchen!" wurde sie angesprochen. "Sie sind zehn Minuten zu spät dran!" Hörbar schluckte sie. Starrte den Mann an, der an Webers Schreibtisch saß, als hätte er alles Recht der Welt dazu. Das war also Stocker. Der neue Besitzer der We-We... Es war tatsächlich der fremde Besucher von damals... Irgendwie hatte sie das geahnt! Helenas Gestalt straffte sich. Äußerlich unbewegt erwiderte sie die strenge Musterung des Mannes. "Das liegt an Ihrem Drachen da draußen... der hat mich extra aufgehalten!" "Entschuldigungen werden nicht angenommen!" kam der knappe Kommentar auf die Erklärung. "Sie mindern auch nicht das Strafmaß!" "Strafmaß?" Sie konnte nicht verhindern, daß ihre Stimme quietschte... dann hatte sie sich gefangen und lachte lauthals los. "Oh du meine Güte - wo bin ich denn nur hingeraten?" "Das werden Sie schnell genug merken, Frau Wittke!" Stocker verzog keine Miene. "Setzen Sie sich!" Er deutete auf den Ledersessel, der dem Schreibtisch gegenüberstand. "Ich habe mit Ihnen zu reden?" Geschmeidig setzte sie sich und schlug die Beine übereinander. "Worüber denn? Ich habe gekündigt... es ist alles gesagt worden!" "Der Meinung bin ich nicht!" Die eisig glitzernden, grauen Augen funkelten sie an. "Die We-We werden auch in Zukunft nicht auf Ihre Mitarbeit verzichten können..." "Das ist Pech für Sie!" Helena erwiderte den Blick ungerührt. So leicht ließ sie sich nicht einschüchtern - und daß er das versuchte, war ihr klar. "Aber wie ich hörte, ist auch unter Ihrer Geschäftsführung die Position des Stellvertretenden bereits vergeben... was bedeutet, daß ich meine Zelte hier abbrechen werde..." "Das werden Sie nicht..." Fast sanft kam diese Erwiderung. "Sie werden es sich noch einmal überlegen - dessen bin ich mir sicher!" "Nein, das werde ich nicht!" Sie fühlte, wie sie Oberwasser bekam - wieder hob sich ihr Kinn arrogant. "Dessen bin ich mir sicher!" grinste sie. Dann setzte sie sich auf. "Also - was wollen Sie nun konkret von mir? Machen Sie mir Ihr Angebot, damit ich es ablehnen kann. Es ist Freitag Abend, morgen ist Weihnachten... ich würde gerne nach Hause gehen und die We-We endgültig hinter mir lassen..." Stocker lehnte sich zurück. Der Ausdruck seiner hellen Augen war plötzlich undurchdringbar geworden. Seine Miene nichtssagend. Keines seiner Gefühle ließ sich mehr von seinem Gesicht ablesen. "Sie vergreifen sich etwas im Ton... Helena..." sagte er ruhig. "Für Sie bin und bleibe ich Frau Wittke!" mokierte sich Helena und beugte sich mit einem herablassenden Lachen vor - im nächsten Moment grub sich etwas beißend quer über ihre Schulterblätter und sie schrie vor Schmerz und vor Überraschung auf. Instinktiv sprang sie auf die Beine, wirbelte herum - und sah sich der grimmig dreinblickenden Blonden aus dem Vorzimmer gegenüber. Gerade bog sie mit hämischen Grinsen eine schwarze Ledergerte in den Händen. "Sind Sie verrückt geworden?" fuhr Helena auf, während sie mit den Fingern über die brennende Schulter rieb und sich fragte, wie dieser Drachen unbemerkt in das Büro treten hatte können. Zum Glück hatte der Stoff ihres schwarzen Kostüms den Hieb ziemlich gedämpft. "Ich dulde nicht, daß Sie den Herrn in diesem frechen Ton ansprechen!" knurrte die Blonde. "Scheren Sie sich doch zum Teufel!" fauchte die junge Frau und funkelte sie wütend an. "Dafür könnte ich Sie anzeigen!" "Das glaube ich nicht!" Die Blonde suchte Stockers Blick. Der nickte nur. "Ist gut, Nora... warte draußen, bis ich dich rufe!" Als sie wieder alleine waren, wartete er, bis Helena ihn wieder ansah... dann runzelte er streng die Stirn. "Werden Sie jetzt kooperativ sein?" Zögernd setzte sie sich wieder in den Sessel - mittlerweile hatte sie das Gefühl, in einen recht bizarren Albtraum geraten zu sein... aus dem sie hoffentlich bald wieder aufwachte! "Was ist, wenn nicht? Lassen Sie dann wieder Ihre Verrückte auf mich los?" fragte sie vorsichtig. Ihre Stimme wollte ihr immer noch nicht so recht gehorchen. "Im Normalfall nicht!" Sein Lächeln war mehr ein Zähnefletschen. "Nicht, wenn es nicht nötig ist!" "Ich habe für Ihre Art Humor leider nichts übrig, Herr Stocker!" schnaubte Helena indigniert. "Ich verstehe nicht, was Sie damit bezwecken... aber was es auch ist, es ist mir egal! Ich werde jetzt nämlich gehen! Unser Gespräch betrachte ich als beendet... über den Angriff Ihrer Verrückten werde ich ausnahmsweise hinwegsehen..." Noch während sie sprach, stand sie langsam auf und ging zur Tür. "Auf Wiedersehen..." Ihre Finger schlossen sich gerade um die Türklinke, als sie ein leises Geräusch hinter sich hörte - und dann schob sich ein Arm an ihr vorbei und eine Männerhand drückte die Tür wieder zu. "Ich habe Ihnen nicht erlaubt zu gehen!" wisperte Stocker - so dicht an ihrem Ohr, daß sie unwillkürlich fröstelte. "Ich habe Sie auch nicht um Erlaubnis gebeten!" zischte sie und starrte ihn empört von der Seite her an. "Lassen Sie mich hinaus!" "Sie werden es schon noch lernen, Helena..." Wieder dieses sanfte Timbre in der tiefen Männerstimme, das sie in ihrem tiefsten Inneren erschaudern ließ - das ihr aber auch gefährlicher als lautes Schreien vorkam. Gegen ihren Willen reagierte sie darauf. Sie hielt den Atem an und fragte neugierig: "Was werde ich lernen?" "Mich um Erlaubnis zu bitten!" Ruckartig fuhr sie zu ihm herum. "Ganz sicher nicht!" Er bewegte sich keinen Millimeter von der Stelle - was bewirkte, daß sie fast gegen seine Brust geprallt wäre. Nun mußte sie den Kopf weit in den Nacken beugen, wenn sie ihm in die Augen schauen wollte. Und das wollte sie. Sie war wütend. Temperamentvoll stampfte sie mit einem Fuß auf. "Treten Sie sofort einen Schritt zurück! Ich werde jetzt gehen..." Amüsiert schüttelte er den Kopf und schaute auf sie hinab. "Weber meinte, Sie haben ein höllisches Temperament - das kann ich wirklich nur bestätigen, Helena!" schmunzelte er - und dann wurde er plötzlich ernst. Seine Hand glitt von der Tür und legte sich schwer auf ihre Schulter. "Aber das nützt Ihnen nichts... ich bin Ihnen überlegen!" "Sie sind gar nichts!" brummte sie patzig und wich zurück, bis sie sich flach gegen das Holz der Tür preßte und seine Finger von ihrer Schulter rutschten. "Verrückt sind Sie, das ist alles! Wenn Sie mich jetzt nicht endlich gehen lassen, werde ich laut schreien!" "Schreien Sie nur... außer Nora und mir wird niemand Sie hören! Also sparen Sie sich den Atem... Sie werden ihn später noch dringend nötig brauchen!" Diese Worte ließen sie erneut stutzen. "Was soll denn das nun wieder heißen?" Wieder wechselte seine Stimmung von einer Sekunde auf die andere... keine Belustigung zeigte sich mehr in seinem Gesicht. Nun wirkte er wieder streng und unnahbar. "Kommen Sie jetzt, Helena - Schluß mit den Spielen! Konzentrieren wir uns endlich auf das Wesentliche..." "Und das wäre?" Fast gegen ihren Willen kam ihr diese Frage über die Lippen. Tief bohrte sich der Blick seiner eisgrauen Augen in die ihrigen. "Ihre Unterwerfung..." Ihr Atem stockte... sie ließ dieses Wort in sich einwirken. Gestattete sich sekundenlang diese überraschende, so unerwartet auftretenden Kribbeln in ihrem Magen. Dann schüttelte sie den Kopf und schnaubte. "Mir reicht es jetzt! Ich gehe! Ich höre mir diese unverschämten Verrücktheiten nicht mehr länger an!" Die Wut verlieh ihr ungeahnte Kräfte... ansatzlos stieß sie ihre Hände gegen seine Brust, so daß er zurücktaumelte - und schon hatte sie die Tür aufgerissen und stürmte hinaus. Hinter sich hörte sie sein Knurren. "Nora!" Aber da war sie schon an der Tür des Vorzimmers und drehte am Schlüssel... bereit, die verrückte Szene hinter sich zu lassen. Doch in der nächsten Sekunde wurde sie grob zurück gerissen und in den Raum zurück katapultiert. Mit einem wilden Aufschrei versuchte sie, sich der Blonden zu erwehren... aber diese Nora lachte nur amüsiert und dann ergriff sie überraschend kräftig Helenas Arm und drehte ihn ihr gnadenlos auf den Rücken... bis diese mit einem schmerzvollen Wimmern den Kampf aufgab. Der Druck auf ihr Schultergelenk wurde immer stärker und stärker... Helena mußte ihm nachgeben und sank mit einem Stöhnen in die Knie. Sofort wurde der Griff der Blonden lockerer, der Schmerz ließ nach. Fassungslos senkte die junge Frau den Kopf, krümmte sich. Verstand die Welt nicht mehr. "So ist es gut, Nora... laß sie knien... die Widerspenstige..." knurrte Stocker, während er sich langsam vor den beiden Frauen aufbaute. "Soll ich sie für Sie bestrafen, Herr?" biederte sich die Blonde eifrig an. "Nein... laß es gut sein! Du kommst schon noch zum Zug... später...." Er lächelte sie an, dann wandte er sich an Helena. "Das war sehr dumm von dir..." "Das sehe ich anders!" knirschte die Angesprochene atemlos. Noch immer war sie perplex über die Mühelosigkeit, mit der die Blonde sie überwältigt hatte. Von unten her funkelte sie aufgebracht zu ihm hoch. "Sie werden es schon noch bereuen, daß sie so mit mir umspringen! Was glauben Sie denn, wer wir sind!" Stocker lachte... ihre wütend gezischten Worte schienen ihn köstlich zu amüsieren. "Ich weiß, wer und was ich bin!" grinste er. "Ich bin nämlich derjenige, zu dessen Füßen du kniest, kleine Helena... ich bin derjenige, der dir in Zukunft sagen wird, wo es lang geht - was du zu tun und was du zu lassen hast!" Als sie nur schnaubte, sprach er weiter. "Und du bist diejenige, die brav gehorchen wird... die mir dienen und mir zur Verfügung stehen wird. Du bist jetzt mein Eigentum, Helena... mein Besitz... und du wirst sehr bald dankbar dafür sein, daß du das alles sein darfst... und kannst!" "Ich wiederhole mich nur ungern!" knirschte sie. "Aber Sie sind verrückt... alle beide!" "Es ist verrückt von dir, dich deiner Bestimmung noch länger zu widersetzen!" seufzte Stocker. "Ich habe auf den ersten Blick erkannt, wer du bist und was in dir steckt... jetzt braucht es nur ein bißchen Nachhilfe, um dir das auch selber bewußt zu machen!" Er nickte Nora zu. "Laß sie aufstehen!" Sofort zog die Blonde sie mit einem kräftigen Griff auf die Beine - aber als Helena sich befreien wollte, schüttelte sie sie kurz durch - eine kleine Warnung, das sein zu lassen. Da sie merkte, daß das aussichtslos war, konzentrierte sie ihre Aufmerksamkeit auf den Mann, der vor ihr stand. Stocker hatte gewartet, bis sie seinen Blick suchte. Er ignorierte ihren empörten Trotz und schaute sie nur streng an. "Ich werde dich jetzt mustern!" "Gehen Sie doch zum Teufel! Da passen Sie gut hin..." zischte sie stur. Ein feines Lächeln umspielte seine schmalen Lippen. "Du wirst dich später einmal sehr über diesen nutzlosen Widerstand von deiner Seite her amüsieren... das verspreche ich dir!" sagte er leise - dann nickte er Nora erneut zu. Sofort fing diese an, Helena auszuziehen... alles mit einer Hand, so daß sie überhaupt keine Chance hatte, sich dagegen zu wehren. Schon wurde ihr die Kostümjacke über die Schultern gezogen... die dünne, rubinrote Seidenbluse folgte... dann der Rock. Helena erschauderte, als der Stoff ihre langen Beine entlang glitt und sich um ihre Füße bauschte. Hilflos fühlte sie sich den Blicken der beiden ausgesetzt - nur mehr mit ihrer Unterwäsche bekleidet. Und die schwarze, zarte Spitze verbarg nicht mehr viel vor ihren Augen. Verlegen wich sie seinem funkelnden Blick aus. "Du gefällst mir immer besser, kleine Helena!" sagte er, mit so leiser, sanfter Stimme, daß es fast ein Schnurren war. Aber diesmal verbot sie es sich energisch, auf diesen Tonfall zu reagieren. "Ziehst du den Rest selber aus - freiwillig - oder soll ich das auch Nora befehlen?" Ihr Kopf hob sich. Sie schluckte. Dann entschied sie sich dafür, einen Rest von Selbstachtung zu behalten. "Ich mache es selbst!" wisperte sie. "Sehr gut!" Er lächelte maliziös. "Ich habe das nicht anders von dir erwartet!" Ein Wink - Nora entließ sie aus ihrem Griff und sie war frei. Geistesabwesend rieb sie sich die malträtierten Handgelenke. "Folge mir!" Langsam ging sie hinter ihm her, als er in sein eigenes Büro zurückkehrte... und sie gestand es sich nur ungern ein, aber sie war erleichtert, als er die Tür wieder energisch schloß und er die Blondine damit aussperrte. Ihre Gedanken rasten, während sie beobachtete, wie er den Schreibtisch umkreiste und es sich in seinem Ledersessel gemütlich machte. Fieberhaft suchte sie nach einer Möglichkeit, die untragbare Situation zu ihren Gunsten zu beeinflussen - oder ganz abzubrechen - aber so sehr sie auch überlegte, ihr fiel einfach nichts ein. Nicht in ihren schlimmsten Albträumen hätte sie sich so eine Situation ausmalen können. Sie, in der Gewalt eines Verrückten... Sollte Euch dieser erste Teil der Geschichte neugierig gemacht und Interesse nach mehr geweckt haben, lasse ich gerne den nächsten Teil, bei entsprechenden Kommentaren, folgen.



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